Seidenarten: Merkmale und Kennzeichen der Seidenstoffe

Seide ist dir wohl bekannt als exklusiver Stoff.  Eigenschaften wie eine glatte Oberfläche, leuchtende Farben und das angenehme Tragegefühl haben den Seidenarten einen Platz in der Geschichte gesichert. Die uralte Seidenstraße ist nur ein Beispiel für die jahrtausende alte Berühmtheit der Seide.

 

Die lange Historie des Seidenstoffes hat zu unterschiedlichen Seidenarten geführt. Du wirst auf unterschiedliche Bezeichnungen, Herkunftsländer und Stoffgemische im Zusammenhang mit Seide stoßen.

 

Auf welche Seidenarten du setzten solltest, und wie du diese erkennst, erfährst du im Artikel.

Seidenfäden liegen auf weißen Seidenkokons
Seidenfäden liegen auf weißen Seidenkokons

1. Chappe- oder Schappeseide

Diese Seidenart ist in der Modeindustrie weit verbreitet. Du kannst Produkte aus Chappeseide teilweise zu günstigen Preisen erwerben. Deswegen ist Chappeseide eine gute Wahl beim Shoppen.

 

Die Seidenfaden, welche für die Produktion der Chappeseide benutzt werden, stammen aus den äußeren Schichten des Kokons der Seidenspinner. Die Garne dieser Seidenarten zeichnen sich durch einen leichten Glanz und eine glatte regelmäßige Oberfläche aus.

2. Bouretteseide

Bouretteseide ist ein Nebenprodukt bei der Gewinnung der hochwertigen Chappe-, Haspel- oder Maulbeerseide. Die Seidenarten der Bourette Familie bezeichnen die Fäden mit rauerer und mit Knoten durchsetzter Oberfläche.

 

Bouretteseide gilt deswegen als Abfallprodukt der Seidengewinnung. Du wirst Bourette kaum zu Modeartikel verarbeitet sehen, sondern eher in Windeln.

Der Seidenspinner (Maulbeerspinner) in Aktion
Der Seidenspinner (Maulbeerspinner) in Aktion

3. Die Königin unter den Seidenarten: Die Haspel- oder Maulbeerseide

Die Haspel- bzw. Maulbeerseide wird aus den mittleren Schichten des Kokons der Maulbeerspinner gewonnen. Die Seidenfäden in dieser Schicht sind besonders hochwertig. Sie werden durch das Abhaspeln (daher der Name Haspelseide) des mehrere hundert Meter langen Seidenfadens gewonnen.

 

Haspelseide muss wegen der hohen, natürlichen Qualität nicht weiter behandelt werden. So kannst du Haspelseide unverarbeitet im Endprodukt, wie etwa Seidenschals finden.

 

Die genannten Eigenschaften machen diese Seidenarten zum Königsprodukt bei der Seidengewinnung. Die Haspelseide ist maßgeblich für die Berühmtheit und Verbreitung von Seide verantwortlich.

4. Fagaraseide

Die Seidenarten dieser Familie werden aus den Seidenfäden des Atlasspinners gewonnen. Der Atlasspinner ist der größte Schmetterling der Welt. Allerdings sind die Fäden, welche dieser Schmetterling absondert, bräunlich, dick und eher kurz.

 

Daraus ergibt sich ein hoher Aufwand der Seidenproduktion mit dem Ergebnis eines mittelwertigen Produkts. Dies macht die Fagaraseide zu einer der weniger beliebten Seidenarten.

 

Solltest du auf eine dicke, bräunliche Seidenart stoßen, wird es sich wohl um Fagaraseide handeln.

5. Tussahseide

Ebenfalls einen schweren Stand bei Seidenkennern hat die Tussahseide. Diese Seidenarten fallen durch eine gröbere Struktur und gold-gelb gefärbte Seidenfäden auf.

 

Tussahseide stammt von der Schmetterlingsart des Eichenseidenspinners. Diesen findest du in ganz Asien und auch Europa, wo der Schmetterling für die Seidenproduktion hin importiert wurde.

 

Du solltest dich wegen der minderwertigen Oberflächeneigenschaften dieser Seidenart nicht für die Tussahseide entscheiden.

6. Muga Seide

Ähnlich wie Tussah Seide stammt die Seidenart Muga von semi-domestizierten Schmetterlingen (bzw. Seidenwürmern). Die Schmetterlinge, welche Muga und Tussah Seide produzieren stammen aus der selben Schmetterlings-Familie.

 

Muga Seide stammt ursprünglich aus Indien, wo die Seidenart über hunderte Jahre dem Königshof in Assam vorbehalten war.

 

Muga Seide erkennst du an der gold-braunen Farbe und der glänzenden Textur.

 

Diese Seidenart ist ziemlich porös und kann deswegen nicht gebleicht bzw. gefärbt werden. Dies macht die Muga Seide heute nicht mehr so interessant für die Modeindustrie, welche andere Seidenarten, wie etwa Haspelseide bevorzugt.

7. Muschel Seide

Muscheln werden schon seit den Antiken Griechen (800 v.Chr.) zur Produktion von Seide genutzt. Zumeist wird die Byssus Muschel zur Herstellung der Seide genutzt. Deswegen wirst du auch auf den Namen Byssus-Seide im Zusammenhang mit  dieser Seidenart stoßen.

 

Wegen Wasserverschmutzung wird es immer schwieriger Muschel Seide zu gewinnen. Der enorme Aufwand bei der Produktion macht Muschel Seide zum Teuersten, was du an Seidenarten finden kannst.

 

Solltest du dir ganz besondere und ausgefallene Seide wünschen und musst dabei nicht auf das Preisschild achten, dann ist Muschel Seide die richtige Wahl für dich.

 

Mehr zur Produktion von Muschel Seide erfährst du hier : Byssus Weaving of Sea Silk

8. Spinnen Seide

Nicht nur Schmetterlinge und Muscheln stellen Seide natürlich her, sondern auch Spinnen.

 

Da Spinnen nicht zur Seidenproduktion gezüchtet werden können, ist die Produktion dieser Seidenart äußerst aufwendig. Zudem produzieren Spinnen normalerweise einen viel kürzeren Seidenfaden als Schmetterlinge. Dafür ist das Ergebnis, die Spinnen Seide, bekannt als die stärkste Faser der Welt.

 

Verwendung findet Spinnen-Seide in Schutzwesten und Teleskopen. Ansonsten wirst du bei herkömmlichen Modeprodukten aus Seide nicht auf diese Seide stoßen. Etwas außergewöhnlicheres als Spinnen Seide wirst du nicht unter den Seidenarten finden.


Fotos: Thai silk wrapped on wood tube, Thai silk tube und Macro closeup view of a silk moth holding a bride flower von Shutterstock.com

Welche Produkte aus Seide trägst du gerne? Welche Seidenarten bevorzugst du? Lass es uns in den Kommentaren wissen:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0