Eindrücke aus dem Leben thailändischer Seidenweber

Ich möchte dir die Lebensumstände und Produktionsbedingungen von Menschen näher bringen, die Seidenschals herstellen. 

Der folgende Artikel stellt dir die Familien in Thailand vor, welche in der Seidenweberei tätig sind.

 

Zu diesem Zweck interviewte ich mehrere Seidenweberinnen in Thailand, welche unsere Seidenschals weben. Dabei habe ich ebenfalls die Lebensumstände in den Seidendörfer vor Ort untersucht.

 

Das Ergebnis dieser Nachforschungen kannst du im folgenden Artikel nachlesen. Informiere dich über die Herstellung von Seidenschals und unterstütze mit deinem Einkauf faire Arbeit in Thailand.

Arbeitsaufteilung in der Seidenweberei

Die Seidenweberei in Thailand wird von Frauen im Alter von ca. 40 Jahren dominiert. Die Männer in den Dörfern helfen einzig bei der Färbung und dem Pflücken der Maulbeerblätter für die gefrässigen Seidenraupen.

 

Die Seidenweberinnen beginnen dieses alte Handwerk mit dem Alter von 16 Jahren zu erlernen. Viele der Frauen arbeiten als Seidenweberinnen bis zu Ihrem Tod, da es in Thailand keine Rentenversicherung gibt und die Seidenweberei eine gute Einnahmemöglichkeit bietet. Andere Berufschancen lassen sich im ländlichen Thailand sonst nur selten finden.

Durch die Seidenweberei wird der Jugend, wie auch der älteren Generation eine gute Einkommensmöglichkeit geboten. Damit wirkt die Seidenweberei stückweise der Landflucht entgegen, die große Teile der 20-40 jährigen Thais aus den Dörfern in die Großstädte (vor allem Bangkok) treibt.

In einem typischen Seidendorf, wie dem kleinen Nong Da Gai in Buriram arbeiten 78 Frauen in der Seidenweberei. Dies entspricht 20 Familien, die ihren Lebensunterhalt alleine mit der Seidenweberei verdienen.

 

Der Großteil des Arbeitsaufwandes geht von der Arbeit am Webstuhl aus. Wenn die Familien größere Aufträge zu bewältigen haben, dann fangen sie schon um 4 Uhr morgens an zu arbeiten. Nach einer ausgedehnten Mittagspause wird dann bis 10 Uhr nachts gewebt. Die Seidenweberinnen legen sich die Arbeit extra in die frühen Morgenstunden und den späten Abend, da zur Mittagszeit eine starke Hitze in den Dörfern des ländlichen Thailands Einzug hält.

An einem langen Arbeitstag am Webstuhl kann so eine Seidenweberin 10 Seidenschals herstellen.

Seidenweberei als Kulturgut

Das Seidendorf Nong Da Gai ist seit 35 Jahren im Handwerk der Seidenweberei tätig. Man verkauft die hergestellte Ware im Dorf selbst, sowie auf Messen in Bangkok.

Häufig rufen Großhändler im Seidendorf an und kündigen ihren Besuch in den nächsten Tagen an, mit denen die Frauen gute Verkäufe machen können.

 

Die Seidenschals aus Nong Da Gai erfreuen sich immer größerer Beliebtheit im Ausland. Man ist stolz, dass mehr und mehr Ausländer den Weg in das Seidendorf finden und sich an den Seidenschals erfreuen.

Dazu muss einschränkend gesagt werden, dass nur alle paar Tage ein Ausländer in das Seidendorf kommt und die Englischkenntnisse der Seidenweberinnen entsprechend niedrig sind.

Eine Besonderheit in dem Seidendorf Nong Da Gai ist, dass die Seidenweber-Familien die gesamte Produktionskette bei der Herstellung der Seidenschals kontrollieren.

Dies fängt bei den Maulbeerfeldern an, die für die Fütterung der Seidenraupen nötig sind, geht über die Gewinnung der Rohseide, bis zur Fertigung des Seidenschals.

 

Andere größere Fabriken und Seidendörfer haben Arbeitsschritte teilweise ausgelagert.

Dies ist hier jedoch nicht der Fall und macht die Seidenschals aus Nong Da Gai zu Produkten mit eindeutig regionaler Herkunft.

Stolze Seidenweberinnen

Die Seidenweberei bietet den Bewohner des ländlichen Thailands die Möglichkeit eines guten Einkommens. Sie können in Ihren Dörfern bleiben und müssen nicht in Großstädten für Fabriken und Großunternehmen arbeiten.

 

Seidenweberei ist ein schweißtreibendes Handwerk, doch die Frauen sind stolz auf Ihre Arbeit und die Beliebtheit der thailändischen Seide im Ausland.

 

Durch die Herstellung von Seidenschals haben die thailändischen Seidenweberinnen die Möglichkeit regional verankerte Artikel zu produzieren und sich mit diesen zu identifizieren.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Susanne (Freitag, 11 März 2016 13:30)

    Informativer Beitrag. Man versteht, dass die selbst bestimmte Arbeit die Menschen vor Ort unabhängig macht.