Funktionales Stimmtraining: Verfeinere deinen Gesang mit diesen Übungen

Deine Stimme ist ein Wunder der Natur. Die Komplexität der Laute deiner Stimme sucht dort seinesgleichen. Diese Komplexität erlaubt es dir viel mit deiner Stimme auszudrücken. Damit du den Ausdruck deiner Stimme so optimal wie möglich einsetzen kannst, benötigst du jedoch etwas Übung.

 

Ein Weg mit dem du deinen Gesang und deine Stimme verfeinern kannst, findest du im funktionalen Stimmtraining.

 

Die funktionale Stimmbildung kombiniert Bewegungsabläufe und Körperhaltungen mit Wahrnehmungstraining. Dadurch kannst du deinen Stimmapparat besser kontrollieren und gesundes Singen lernen. Die Übungen des funktionalen Stimmtrainings fördern dein rhythmisches Gefühl und stärken die beim Singen beteiligten Muskeln, wie Kehlkopf, Atmung und Vokaltrakt.

 

Du lernst deine Bewegungen besser mit deinem Gesang abzustimmen. Hierdurch erfährst du auch welche Muskeln du zu welcher Zeit am besten nutzen kannst, um deine Stimme am besten zu unterstützen.

 

Die Übungen des funktionalen Stimmtraining kannst du alleine oder mit einem Gesangslehrer durchführen. Die Früchte deines Trainings kannst du dann bei Auftritten und Proben deines Chores ernten.

Dieser Artikel basiert auf Interviews mit mehreren Chörsängerinnen, professionellen Musikern, sowie Schülern und Lehrern der Tres Music Academy.

Die Hauptakteure deiner Stimme: Atmung, Kehlkopf und Vokaltrakt

Für deine Stimme sind drei Bereiche wichtig: Deine Atmung, dein Kehlkopf und Vokaltrakt.

 

Damit dein Stimmapparat flexibel bleibt, ist eine gewisser Unterdruck im Kehlkopf notwendig. Für die Tonerzeugung brauchst du jedoch ebenso ein Überdruck im Kehlkopf. Die aus der Lunge ausströmende Luft bei der Ausatmung versetzt die Stimmlippen in Schwingung und erzeugt so den gewünschten Klang.

 

Somit ist es für dich wichtig eine gute Balance bei Ein- und Ausatmung zu finden. Beim Einatmen bereitest du deine Stimmlippen vor und hältst den Stimmapparat flexibel, beim Ausatmen erzeugst du den gewünschten Ton.

Dein Vokaltrakt besteht aus dem gesamten Rachen- und Mundraum von den Stimmlippen an aufwärts. Für optimale Stimmbildung sollte dieser Bereicht so beweglich und entspannt wie möglich sein. Ein elastischer Kehlkopf, sowie beweglicher Unterkiefer und Zunge helfen deiner Stimme optimal zu funktionieren. Die bewusste Nutzung von Muskeln kannst du hierfür leider nicht nutzen, da du dadurch meist eher Verspannungen erzeugst.

 

Die beste Methode, um den Vokaltrakt entspannt und flexibel zu halten, ist das Schulen der Wahrnehmung von Spannungen. Meist erreichst du durch das Wahrnehmen der Spannung dessen Lösung.

Ziele und Vorgehensweise des funktionalen Stimmtrainings

Deine Stimme befindet sich also in einer Abhängigkeit von einer Vielzahl von Muskeln, welche sich in einem Zusammenspiel mit anderen Teilen deines Körpers befinden. Das funktionale Stimmtraining zielt darauf ab dir und deinem Körper dieses Zusammenspiel so gut wie möglich bewusst zu machen. Dabei soll die Wahrnehmung deines Körpers gestärkt werden und Bewegungsabläufe einstudiert werden, die deiner Stimme helfen sich voll zu entfalten.

 

Du erreichst die oben genannten Ziele mit einer Reihe von Übungen. Die einfachsten Übungen beginnen damit, dass du den selben Ton singst und dabei unterschiedliche Bewegungen mit deinem Körper machst (wie z.B. Arme heben und senken). Hierbei beginnst du mit möglichst weitreichenden Bewegungen und gehst dann später zu kleineren Bewegungsabläufen über. So verfeinerst du deine Körperwahrnehmung und dessen Auswirkung auf deine Stimmfunktion.

 

In den späteren Phasen des funktionalen Stimmtrainings lernst du das rhythmische Zusammenspiel von Kehlkopf- und Atemmuskeln von deiner Körperhaltung und deinen Bewegungen abzukoppeln. Dies hat den Vorteil, dass du deine Muskeln nicht mehr auf wenige Aktivitäten beschränken musst. Du kannst so mit deiner Gesangsgruppe schauspielerische Einlagen und Bewegungen passend zu dem vorgetragenen Stück hinzufügen. 

 

Das finale Ziel von einem fein abgestimmten Zusammenspiel deiner Muskeln ist hoch angesetzt und auch nicht für jedes Chormitglied notwendig. Allerdings hilft es jedem Sänger ungünstige Verhaltensweisen und Gewohnheiten beim Singen durch günstigere zu ersetzen. Ein großer Schritt für dich ist getan, wenn du beim Singen einen entspannteren und zum Stück passenden Gesichtsausdruck präsentieren kannst.

Übungen zum funktionalen Stimmtraining

4 Einfache Übungen zum funktionalen Stimmtraining

Du näherst dich den oben genannten Zielen des funktionalen Stimmtrainings mit folgenden einfachen Übungen an:

 

  1. Windmühlen-artiges Bewegen der Arme oder seitliches Heben der Arme kombiniert mit dem Atmen auf "A"
  2. Lockeres, weites Öffnen des Mundes und leichtes Heben des Kopfes kombiniert mit dem Atmen auf "A"
  3. Abwechselndes summen bzw singen von Vokalen z.B. A-I-A-I-A
  4. Zungenbewegungen üben mit dem Wechsel von Vokal und Umlaut z.B. A-Ä-A-Ä

Neben diesen einfachen Übungen kannst du deine Stimme durch weiter fortgeschrittene Übungen trainieren. Mehr darüber erfährst du in den folgenden Abschnitten.

Übung 5: Relaxe deine angespannten Diaphragma-Muskeln

Für die meisten Einsteiger in das funktionale Stimmtraining gilt, dass die Muskeln um das Diaphragma sehr angespannt sind. Diese Übung hilft dir diese Anspannung zu lockern.

 

Stütze dich auf Knie und Hände, sodass dein Diaphragma über dem Boden hängt. Die Gravitationskraft hilft dir deine Schultern beim Einatmen durch das Diaphragma gleichmäßig zu halten. Wenn du dann ausatmest, trainierst du deine Bauchmuskeln leicht. Atme für diese einfache Übung in der genannten Position mehrere Male ein und aus.

 

Du solltest darauf achten, dass du langsamer einatmest, als ausatmest. Dies hilft dir deine Bauchmuskeln zu trainieren und deine Lungen zu füllen. Das richtige Füller der Lunge ist bei deiner Stimmkontrolle und Gesang wichtig.

Übung 6: Trainiere korrekte Gesangshaltung und Stimmgewalt

Nach dem Training der einfacheren Übungen bist du nun bereit zu einer schweren Übung überzugehen. Übung 6 korrigiert deine Körperhaltung, trainiert deine Muskeln und hilft dir mehr Stimmgewalt zu bekommen. Du lernst das Atmen mit Nacken, Schultern und Brust schneller zu unterbinden.

Diese Übung ist körperlich weit anstrengender als die vorigen Übungen, aber lässt dich dadurch auch schneller Erfolge feiern.

 

Stelle dich aufrecht hin und spreize deine Arme, sodass dein Körper ein "T" bildet. Atme nun tief ein und aus, wobei deine Arme weiter parallel zu deinen Schultern bleiben. Du wirst schnell feststellen, dass es dir immer schwerer fällt deine Brust und Arme beim Atmen zu heben.

 

Du kannst die Schwierigkeit dieser Übung variieren, indem du Gewichte in deine Hände nimmst. Achte dabei aber immer drauf, dass dein Rücken gerade bleibt.

Übung 7: Strohhalm-Atmen

Nachdem du dich in den letzten Übungen des funktionalen Stimmtrainings körperlich verausgabt hast, lernst du nun eine Übung kennen bei der es einzig um die Atemkontrolle geht. Die Übung "Strohhalm-Atmen" hat ihren Namen von der Art, wie du deinen Mund für das Atmen bei dieser Übung formst. Du kannst die Übung im Sitzen und Stehen ausführen.

 

Atme durch deinen Mund für 4 Sekunden ein, so als ob du durch einen Strohhalm atmen würdest. Konzentriere dich bewusst auf die Länge der Einatmung. Daraufhin atmest du für 4 Sekunden aus, wobei du deinen Mund immer noch in der "Strohhalm" Position hältst. Beginne danach wieder mit dem Einatmen. Wiederhole diese Ein- und Ausatmen Technik 5-10 Mal.

 

Wenn du dich mit der Atemtechnik vertraut gemacht hast, kannst du die Schwierigkeit der Übung erhöhen. Dafür erhöhst du die Zeit des Ein- und Ausatmens stufenweise. Desto länger du Ein- und Ausatmest desto schmaler sollte deine Mundöffnung werden. Dies trainiert die gleichmäßige Aufnahme von Luft in die Lunge.

Welche Übungen helfen dir deine Stimme bestmöglich einzusetzen? Lass es uns in den Kommentaren wissen:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0