12 Stimmübungen für Atemtechnik, Klangfarbe und zum Aufwärmen

In Medien, Musik und bei Auftritten spielt Gesang eine wichtige Rolle. Du kannst die Musik passiv genießen oder durch deine eigene Stimme zum Genuss beitragen. Damit sich der Klang deines Gesanges bestmöglich entfalten kann, braucht deine Stimme jede Menge Aufmerksamkeit. Zwar spielen Talent und körperliche  Vorraussetzungen eine wichtige Rolle beim Singen, jedoch ist auch hier die wichtigste Regel: Übung macht den Meister.

 

Du solltest eine Vielzahl von Facetten und Funktionen deines Stimmapparattes trainieren. Im folgenden Artikel findest du zuerst einige Aufwärmübungen, sowie Hilfen zum Erlernen der Tonleiter und den Intervallen. Weiterhin kannst du mit den späteren Stimmübungen deine Atemtechnik verbessern und die Klangfarbe und Position der Stimme im Mundraum gezielt trainieren.

 

Ich wünsche dir viel Spaß beim Singen.

Dieser Artikel basiert auf Interviews mit mehreren Chörsängerinnen, professionellen Musikern, sowie Schülern und Lehrern der Tres Music Academy.

Aufwärmübungen - Bereite deine Stimme vor

Bevor du dich in die unterschiedlichen Stimmübungen stürzt, solltest du deinen Stimmapparat aufwärmen. Nutze diese zwei Aufwärmübungen damit sich deine Stimme bei Stimmübungen, Gesangsstunden und Auftritte voll entfalten kann.

 

1. Zungen-Vibration

In dieser Aufwärmübung versuchst du die Töne mit deiner Zunge zu treffen. Dafür ratterst oder vibrierst du mit der Zunge zu dem gespielten Ton und erzeugst damit ein langes RRRRRRRRRRRR. Versuche in dieser Übung zuerst nur einen Ton zu treffen und gehe später dazu über die Tonleiter zu schnarren.

 

2. Lip Bubble

In der zweiten Aufwärmübung erzeugst du die Töne mit deinen Lippen. Versuche deine Lippen so schwingen zu lassen, dass du einen BRBRBRBRBR Ton erzeugst. Mit diesem "Blubbern" versuchst du zu Beginn erneut nur einen Ton zu treffen und gehst später darin über die Tonleiter oder Intervalle zu treffen. Da die Vibration der Lippen schwerer ist, kann diese Übung von manchen Sänger/innen nicht genutzt werden.

Grundlegende Stimmübungen: Trainiere Tonleiter und Intervalle

3.Die Tonleiter in deiner Stimmlage singen:

Eine Übung geeignet für Anfänger und Profi´s ist das Singen der Tonleiter mit DO-RE-MI. Zu Beginn solltest du mit Anleitung die Tonleiter singen und kannst dann später dazu übergehen alleine zu üben. Wahlweise kannst du auch mit einem Abspielgerät, wie z.B. dein Smartphone oder dein Computer, deine Chorstimme trainieren. Durch diese Stimmübung lernst du die grundlegenden Töne deiner Stimme kennen. Später wird diese Übung vor allem zum Aufwärmen der Stimme genutzt.

 

Du variierst diese Übung, indem du die Tonleiter mal schneller und mal langsamer singst. Dadurch kannst du auch deine Stimme für das Halten von längeren Tönen trainieren.

 

4. Die Intervalle deiner Stimmlage singen:

Du hast dich durch das Singen von DO-RE-MI mit der Tonleiter vertraut gemacht. Diese Übung baut darauf auf. Versuche hier auch zu Beginn die Übung mit einem Lehrer oder musikalischem Freund durchzuführen. Du benötigst für das wiederholte Üben erneut nur ein Abspielgerät mit dem Musikstück. Das Stück sollte die Intervalle DO-RE DO-MI DO-FA DO-SOL und SOL-FA SOL-MI SOL-DO gesungen oder auf einem Musikinstrument enthalten.

 

Du ahmst bei dieser Übung wieder die Töne nach. Dadurch trainierst du das Singen und korrekte Identifizieren der grundlegenden Intervalle. Du variierst diese Übung ebenso durch schnelleres und langsameres Singen der Intervalle.

Tipps Singen von hohen Tönen

Eine der großen Herausforderungen für jede/n Sänger/in sind die hohen Tönen des eigenen Stimmregisters. Die Vorteile vom Meistern der hohen Töne sind dafür umso zahlreicher. Beispielsweise macht es deinen Gesang strahlender auch wenn du tiefe Töne singst. Du wirst selbstbewusster in allen Songpartien und kannst bei Liedern mit vielen unterschiedlichen Intervallen eher die volle Bandbreite deiner Stimme abrufen.

 

Du solltest versuchen in Übungen möglichst viele hohe Töne zu treffen. Dadurch kannst du in Songs die schwierigen hohen Töne sicherer abrufen. Dafür kannst du Töne singen üben, die über den Tönen in deinen Songpartien liegen.

 

Für hohe Töne, vor allem bei Männern, musst du laut singen, ansonsten kannst du nicht in deine höchsten Töne kommen. Es hilft dir mit deiner Zungenspitze deine untere Zahnreihe oder das Zahnfleisch zu berühren. Dadurch verhinderst du, dass deine Zunge sich zum Rachen bewegt oder in der Mundmitte freischwebt. Beide Szenarien bauen Druck auf deine Kehle auf. Dies gilt es für dich zu verhindern.

 

Du solltest stets mit deinem Diaphragma atmen. Stelle dir dafür vor, dass du mit deinem Bauch atmest. Dadurch speicherst du Luft im Boden deiner Lunge und kannst deinen hohen Gesang unterstützen. Denn wenn du diese Luft im Boden deiner Lunge zur Unterstützung deines hohen Gesangs nutzt, wird diese Luft verdichtet und sehr stark, sodass du die richtige Energie erzeugst, welche vollen Gesang und hohe Töne unterstützt. Atemübungen für das richtige Einsetzen des Diaphragmas findest du im weiteren Verlauf des Artikels.

Tipps tiefe Töne

Die Kopfstimme nutzt du für die hohen Töne deines Registers. Einige Tipps dazu hast du eben kennengelernt. Du solltest jedoch die gesamte Bandbreite deines Tonumfangs beherrschen, um dein volles Gesangspotenzial abrzufen.  Für die tiefen Töne deines Registers nutzt du die Bruststimme. Auch wenn du gewöhnlich nur höhere Stücke singst, solltest du tiefe Töne beherrschen.

 

Für Damen verbessert das Training der tiefen Töne die Fähigkeit die Brust auszudehnen. Eine ausgedehnte Bruststimme stärkt die Kraft der Mittelstimme, außerdem verhinderst du so, dass deine hohen Töne schrill oder zu scharf klingen.

 

Männern gibt eine trainierte Bruststimme mehr „Biss“ im mittleren Stimmenregister.

 

Wie übst du nun deine tiefen Töne und trainierst deine Bruststimme?

 

Das Zauberwort hierfür lautet : „Entspannung“. Beginne damit kurze tiefe Töne zu singen. Versuche deine Kehle bei der Übung passiv zu halten. Dein Mund sollte weit geöffnet sein. Lass deine Stimme sozusagen durch deinen Mund gleiten, sodass du den Ton in deiner Nase fühlst. Achte hierbei darauf, dass deine Zungenspitze deine untere Zahnreihe berührt. Generell gilt, desto tiefer du singst, desto relaxter solltest du dich fühlen.

Gezielte Übungen für hohe und tiefe Töne

5. Die einfachste Stimmübung für die Erkundung deiner hohen und tiefen Töne ist eine Variation der oben vorgestellten Intervallübung. Hierfür singst du die Schritte der Intervalle DO-RE DO-MI DO-FA DO-SOL und SOL-FA SOL-MI SOL-DO mit dem Laut A-I-A-I-A-I-A-I. Achte hierbei darauf deinen Kiefer auf den Laut A weit zu öffnen und bei dem Laut I zu schließen. Diese Übung sollte sich etwas wie Gähnen anfühlen.

Die oben genannten grundlegenden Stimmübungen trainieren bereits das Singen von hohen und tiefen Tönen. Hier stelle ich dir nun einige Varianten von Stimmübungen vor, welche gezielt die richtige Position deiner Stimme im Mundraum trainieren. Die richtige Position der Stimme im Mundraum hilft dir den erwünschten Effekt deines Gesanges zu erzeugen. So verlangen Opern meist das Klingen der Stimme im vorderen Mundraum und für Pop-Musik ist das Klingen der Stimme in der Mitte des Mundraumes eher typisch.

 

6. Verlagere deine Stimme mehr in den vorderen Mundraum:

Sollte sich deine Stimme zu sehr im hinteren Mundraum befinden, hilft es dir die Schritte der Tonleiter DO-RE-MI-FA-SOL-LA-TI-DO mit dem Wort bzw. Laut NAY-NAY-NAY-NAY-NAY-NAY zu singen. Variiere diese Übung, indem du statt der Tonleiter die Intervalle DO-RE DO-MI DO-FA DO-SOL und SOL-FA SOL-MI SOL-DO mit dem Laut NAY-NAY-NAY-NAY-NAY-NAY singst. Nachdem du einen Schlüssel der Tonleiter bzw. Intervalle richtig singen kannst, beginnst du damit weitere Schlüssel zu üben. So gewöhnst du deine Stimme daran sich in verschiedenen Tonlagen wohl zu fühlen und dabei die richtige Position im Mundraum zu treffen.

 

7. Verlagere deine Stimme mehr in den hinteren Mundraum:

Viele Sänger/innen kämpfen mit dem entgegengesetzten Problem, nämlich dass die Stimme zu sehr im vorderen Mundraum klingt. Du kannst dem entgegenwirken, indem du die Tonleiter oder Intervalle mit den Lauten KOO-KOO-KOO-KOO-KOO-KOO oder GUG-GUG-GUG-GUG-GUG-GUG singst. Auch hier kannst du, nachdem du einen Schlüssel der Tonleiter bzw. Intervalle richtig singen kannst, damit beginnen weitere Schlüssel zu üben. So gewöhnst du deine Stimme daran sich in verschiedenen Tonlagen wohl zu fühlen und dabei die richtige Position im Mundraum zu treffen.

 

8. Eine weiter fortgeschrittene Variante der oben genannten Übungen kannst du mit den Schritten DO(tiefer Ton)-MI-SOL-DO(hoher Ton)-DO-DO-DO-SOL-MI-DO trainieren. Auch hier kannst du die Laute NAY, KOO oder GUG nutzen, um die richtige Position deiner Stimme im Mundraum zu treffen. Da die Unterschiede zwischen den Tönen bei dieser Übung größer sind, brauchst du hierfür etwas mehr Praxis.

9. Stimmübung: Diaphragma-Atmen

Sitze bequem auf einem Stuhl oder Sofa. Lehne dich etwas zurück, aber halte deine Füße auf dem Boden. Lege eine Hand auf deinen Hals und eine Hand auf den oberen Teil deines Bauches. Nun atme tief aus, wobei du die Luft aus deinem Bauch presst, sodass sich dein Bauch einzieht.

 

Im nächsten Schritt atmest du so tief wie möglich ein, sodass sich dein Bauch wie ein Ballon aufbläst. Wiederhole nun das Ausatmen aus dem Bauch.

 

Bei dieser Übung sollte sich dein Bauch so weit wie möglich zusammenziehen (beim Ausatmen) und dann wieder ausdehnen (beim einatmen). Dein Hals und Nacken sollten sich dabei nicht bewegen. Weil du bei dieser Übung wahrscheinlich tiefer atmest als du es gewöhnt bist, kann es dazu kommen dass du leichten Schwindel empfindest. Dies ist normal und wird sich durch weiteres Üben abstellen.

10. Stimmübung: Gezischte Töne zur Atemkontrolle

Du trainierst mit dieser Übung dein Atemtempo. In manchen Liedern musst du deine Stimme senken. Dafür solltest du in der Lage sein deinen Atem nach Bedarf zu verlangsamen. In dieser Stimmübung gibst du deinem Diaphragma und Bauchmuskeln ein Workout. So bist du besser in der Lage den Lungendruck zu kontrollieren und damit Töne länger zu halten.

 

Du kannst diese Stimmübung in allen Körperpositionen ausführen, jedoch erhälst du optimale Kontrolle bei der Übung, wenn du dabei mit angezogenen Knien auf dem Rücken liegst. So fällt es dir einfacher langsam und bewusst zu atmen.

 

Beginne nun langsam durch deine Nase zu atmen, während du deine Hände auf deinen Bauch lägst. Beim Ausatmen beißt du die Zähne zusammen und erzeugst mit deiner Zunge einen zischenden Ton. Der Laut sollte ähnlich einer Schlange, wie ein "SSSS" klingen.

 

Du kannst die Schwierigkeit dieser Übung erhöhen, indem du versuchst einen hohen, zischenden Ton zu erzeugen. Dabei sollte sich die Spannung in deinen Bauchmuskeln erweitern.

11. Stimmübung: Hüpfende Zischlaute

Eine weitere Übung zum Training deiner Bauchmuskeln und des Diaphragma´s lernst du nun kennen. Vor allem in schnelleren Gesangsabschnitten ist es schwer deinen Atem zu kontrollieren. Das Praktizieren von hüpfenden Zischlauten in dieser Übung hilft dir bei der Atemkontrolle in schnellen Gesangsabschnitten und dem Singen von Crescendos. Durch diese Stimmübung bist du eher in der Lage schnell zwischen hohen und tiefen Tönen zu wechseln.

 

Begebe dich für diese Stimmübung wieder in Rückenlage mit angezogenen Knien. Anstatt lange und kontinuierlich Auszuatmen zwingst du deinen Atem in Stößen aus deiner Kehle. Du kannst deine Kehle umfassen, um weitere Kontrolle über die Ausatmung zu gewinnen.

 

Du erkennst, dass du diese Übung korrekt ausführst, wenn dein Bauch auf und ab hüpft. Bei längerem Praktizieren dieser Übung sollte deine Brust sich immer schwerer anfühlen und deine Stimme langsam ermüden.

12. Stimmübung: Atemkontrolle für Profis

Du weißt bereits, wie wichtig die Kontrolle deines Atems beim Singen ist. Eine Atemübung mit mehreren Schwierigkeitsgraden kannst du in den folgenden Schritten durchführen:

 

1. Wähle eine komfortable Sitzposition, schließe deine Augen und konzentriere dich auf deinen Atem.

2. Atme langsam durch deine Nase ein, sodass du etwa 1/4 deiner Lungenkapazität erreichst. Halte nun deine Nase für 6-12   Sekunden geschlossen, damit du nicht ausatmest.

3. Ohne auszuatmen, fülle deine Lunge nun weiter mit Luft durch das Einatmen durch die Nase. Erreiche in Schritt 3 etwa die Hälfte deiner Lungenkapazität und halte wieder deinen Atem für 6-12 Sekunden an.

4. Atme immer noch nicht aus, sondern wiederhole das Einatmen bis du 75% Lungenkapazität erreicht hast. Halte deinen Atem weitere 6-12 Sekunden.

5. Fülle deine Lunge ein letztes mal mit Luft durch die Nase und erreiche so volle Lungenkapazität. Halte deinen Atem danach ein letztes Mal 6-12 Sekunden.

6. ENDLICH kannst du nun ausatmen und beendest damit diese "atemberaubende" Übung.

 

Du kannst nach einer Verschnaufpause diese Übung wiederholen. Du wirst bei den ersten Anläufen wahrscheinlich etwas Schwindel empfinden, da du dich erst an die lange Einatemphase gewöhnen musst. Du variierst die Schwierigkeit dieser Übung durch die Länge der Zeit, in der du deinen Atem anhälst.

 

Eine vereinfachte Variante dieser Übung ist das sehr langsame Ein- und Ausatmen von 20 Sekunden bis zu 2 Minuten.

Wie trainierst du deine Stimme? Welche Aufwärmübungen nutzt du vor Auftritten? Lass es uns in den Kommentaren wissen:

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