COVID - 19 in Thailand: Einschätzungen für Reisen in das Land des Lächelns

Thailand in 2020: Leere Strände und keine Touristen in Sicht
Thailand in 2020: Leere Strände und keine Touristen in Sicht

Die weltweite Aufmerksamkeit richtet sich seit gut 6 Monaten auf das COVID-19 Virus. Dies hat für viele Menschen jede Menge Einschränkungen, Leid und Schwierigkeiten bedeutet. Mit diesem Artikel möchte ich eine kurze Skizze zeichnen von den vergangenen Maßnahmen und Entwicklungen in Thailand vor Ort, wie diese sich zum jetztigen Augenblick verhalten und wo sich nach meiner Meinung diese Maßnahmen und Entwicklungen in Zukunft hin bewegen.

 

Ich bin weder Arzt noch Virus- oder Wirtschaftsfachman. Deswegen kann ich hier keine medzinischen Aussagen tätigen. Mit diesem Artikel versuche ich nur einen kritischen Blick auf die Situation in Thailand zu werfen und eine wahrscheinliche Vorhersage zu treffen, wann und wie Touristen/ Ausländer wieder nach Thailand reisen können. Dabei will ich von meinen Beobachtungen berichten, die ich in den letzten Monaten bei Ausflügen in thailändische Touristenziele gemacht habe.

Erste COVID Fälle in Thailand und Bekämpfungsmaßnahmen

Die ersten offizielen COVID-19 Fälle gab es in Thailand schon im Januar/ Februar 2020. In der Bevölkerung wurde über die Krankheit gesprochen und es herrschte einige Unsicherheit, was in Zukunft kommen würde. In Thailand tragen Leute generell öfter Mund- und Nasenschutz (bzw. Masken). Bei leichten Krankheitsanzeichen oder gegen die schlechte Luft haben Thailänder schon in der Vergangenheit Masken genutzt. Mit den Neuigkeiten über COVID 19 verbreitete sich das Maskentragen noch einmal mehr.

 

Als es in Europa und den USA zu vermehrten Fällen kam und Lockdowns angeordnet wurden, hat die thailändische Regierung selbiges getan. Die Grenzen wurden komplett geschlossen und die meisten Geschäfte wurden angeordnet zu schließen. Die noch offenen Geschäfte mussten unter Restriktionen operieren. Alle Kunden müssen Masken tragen und die Temperatur wird am Eingang gemessen.

 

Nach offiziellen Angaben gab es Ende März für einige Zeit ca. 100 Neuansteckungen. Diese Zahl flachte dann ziemlich schnell ab. Anscheinend kam es zu vielen Neuansteckungen bei einem Muay Thai Stadion Event und in Bars. (Mehr dazu hier: Khao Sod News)

 

Schrittweise wurden dann Geschäfte wieder geöffnet. Die Restriktionen nahmen immer mehr ab, jedoch ist das Tragen von Masken immer noch weit verbreitet und in vielen Orten auch Pflicht. 

Die momentane Situation in Thailand vor Ort

Die meisten Geschäfte in Thailand und das Reisen innerhalb des Landes sind wieder frei von Beschränkungen. Nur große Versammlungen sind noch beschränkt. Muay Thai Kämpfe und Fußballspiele finden ohne Publikum statt und Konzerte gibt es auch noch nicht.

 

Nach offiziellen Angaben kommt es momentan lokal zu keinen Neuansteckungen (1 Fall in 100 Tagen, mehr dazu hier: The Thaiger News). Die Grenzen von Thailand sind fast komplett geschlossen. Nur Thailänder dürfen einreisen, sowie Ausländer mit Familien oder Arbeit in Thailand. Diese müssen in Qurantäne für 14 Tage und werden dabei mehrmals auf COVID-19 getestet. Die wenigen COVID-19 Fälle, über welche berichtet wird, kommen aus dieser Gruppe von Einreisenden.

 

Manchmal gibt es Gerüchte in den News oder auf Facebook, dass es wieder zu einer lokalen Neuinfektion kam und einige Leute vor Ort geraten dadurch in Aufregung. Größtenteils ist die Angst vor COVID-19 in Thailand aber schon ziemlich abgeflacht (meine persönliche Meinung).

 

Die anfänglichen Horrormeldungen über wie viele Leute in Thailand an COVID-19 sterben werden, haben sich in den News jetzt mit Meldungen über die desaströse wirtschaftliche Lage vieler Menschen ausgetauscht. Vor allem in Touristenorten, wie Phuket, Hua Hin und Pattaya, sind große Mengen von Leuten arbeitslos und ohne jede Einkunft. Auch die Rate an Selbstmorden ist drastisch gestiegen. (Mehr dazu hier.)

Pattaya Beach: Kaum Touristen in Pattaya und leere Kassen in Thailands Reisezentren
Pattaya Beach: Kaum Touristen in Pattaya und leere Kassen in Thailands Reisezentren

Bei meinen Reisen in den letzten Monaten durch Thailand fielen mir einige Besonderheiten auf. Die Geschäfte und Hotels, welche auf thailändische Kunden ausgerichtet sind, können vor allem an Wochenenden gut besucht sein und scheinen weiter guten Umsatz zu haben.

Die große Mehrheit von Geschäften, welche auf ausländische Touristen angewiesen sind, berichten von massiven Schwierigkeiten. Eine Restaurant-Inhaberin erzählte mir, dass sie nur noch 3-4 Kunden pro Woche hat. In früher belebten Touristenzentren sieht man mindestens die Hälfte der Geschäfte geschlossen. Große Hotels in Touristenorten sind entweder geschlossen oder operieren mit sehr begrenzten Kapazitäten.

Meine Einschätzungen für den Tourismus in Thailand in den nächsten Monaten

Ich erwarte persönlich, dass Thailand in den nächsten Monaten seine Restriktionen für Reisende in das Land lockern wird. Die wirtschaftliche Lage vieler Arbeiter in Touristenzentren ist nicht haltbar. Solch eine Maße an Arbeitslosen und Personen ohne Einkommen kann die politische Situation stark destabilisieren. Wenn die Regierung keinen Weg findet, diesen Teil der Bevölkerung mit Einkommen oder Gütern zu versorgen, dann lauert die Gefahr, dass sich diese Maße an Personen den Demonstrationen anschließt. (mehr dazu hier von reuters)

 

DIe ersten Anzeichen für die Erlaubnis zur Einreise von Langzeit-Touristen gibt es bereits. Ein spezielles Langzeit-Touristenvisum soll in den nächsten Wochen eingeführt werden. Dies soll zu wirtschaftlichen Einnahmen im Tourismussektor führen und Thailand weiter frei von COVID-19 halten. (mehr zum Langzeitvisum hier)

 

Die ersten Impfstoffe für COVID-19 werden momentan bereits getestet. Aber bis ein sicherer Impfstoff produziert werden kann und an Millionen von Menschen ausgeliefert werden kann, sollte noch ein geraumer Zeitraum verstreichen.

 

Vergangene Coranaviren, wie z.B. die spanische Grippe, wurden niemals ausgerottet, sondern haben ihre Gefährlichkeit mit der Dauer verloren. Dies scheint anscheinend momentan mit COVID-19 ebenso zu geschehen. Neue Medikamente und bessere Behandlungsmethoden sollten COVID-19 Betroffenen helfen. (hier mehr zu der fallenden Todesrate von COVID-19)

 

Ich spekuliere daher, dass sich die Tödlichkeit von COVID-19 in den kommenden Monaten weiter verringert. Sobald sich die Meinung verbreitet, dass das Virus nicht mehr so tödlich, wie zu Beginn ist und gleichzeitig die Umstände vieler Thailänder durch Restriktionen sich so verschlimmern, dass ein erneuter COVID-19 Ausbruch in Thailand weniger schlimm angesehen wird, als eine weitere Schliessung der Grenze, dann erwarte ich weitere Lockerungen für Einreisende.

 

Momentan scheint die bedingte Schließung der Grenzen für Ausländer noch von einer Mehrheit der Bevölkerung befürwortet zu werden (hier findest du die Umfrage dazu). Nach meiner Einschätzung wird sich dies erst nächstes Jahr ändern. Ich hoffe, dass sich bis dahin die Verbreitung und Tödlichkeit von COVID-19 abschwächt und wir wieder freier Reisen können.

Was sind deine Einschätzungen für den Tourismus in Thailand? Hast du Beobachtungen zum Reisen in Thailand gemacht? Lass es uns in den Kommentaren wissen:

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Kommentare: 2
  • #1

    Repost von Ralf (Make My Bangkok Holiday - Urlaubsplaner) (Mittwoch, 23 September 2020 21:38)

    danke für den Artikel... ich denke es interessiert sehr viele, ob man einschätzen kann, wann das Einreisen für Ausländer nach Thailand wieder möglich sein wird.
    ergänzend zu deiner Einschätzung:
    # war nicht die Rede davon, dass es im Oktober möglich sein soll, nach Phuket reisen zu dürfen? zuletzt hatte ich gelesen, dass einige Einheimische damit nicht sehr glücklich wären und sich dagegen sträubten... den aktuellen Stand weiß ich nicht...
    # https://www.nationthailand.com/news/30393967...
    das hatte ich mal gelesen, wo es hieß, es würde eine Einreiseversicherung für Ausländer geben... ich denke dass das der Knackpunkt ist... wenn Thailand darüber nachdenkt die Grenzen wieder zu öffnen, muss das Risiko das durch die Menschen die einreisen wollen ausgeht, "kalkulierbar" sein...
    es ist schön, wenn es in Thailand keine Neuansteckungen innerhalb des Landes gibt, und "nur" Rückkehrer die Neufälle ausmachen... es nützt aber dann nichts, wenn z.B. in Deutschland aktuell 1000 neue Fälle pro Tag verzeichnet werden... wie will man Deutschland als Risikoland einschätzen?
    bevor Deutschland das Reisen in Europa wieder "zuliess", gingen die Fallzahlen soweit, dass z.B. selbst in Hamburg die Zahl auf unter 5 bis 0 pro Tag ging... was sich jetzt wieder anders zeigt...
    ich sehe einen Hoffnungsschimmer am Horizont... egal wie man über Covid-19 denkt, die Entwicklung der Zahlen von März / April, den Zeiten wo sich der Virus am schnellsten und massivsten verbreitet hatte, ging in den Monaten danach deutlich nach unten... die Frage ist, ob der kommende Winter die Zahlen wieder ansteigen lässt, oder ob sich der Virus in seiner Verbreitung weiter reduzieren lässt...
    es gibt Theorien, wo ein Virus mehr oder weniger von alleine "verschwindet"... das andere wäre wenn nun ein Impfstoff auf den Markt kommt... würde Thailand geimpfte Urlauber zulassen? würden Urlauber sich impfen lassen, um nach Thailand reisen zu können?

  • #2

    Repost von Axel Korn (Mittwoch, 23 September 2020 21:39)

    Als Fachberater für Südostasien im Auswärtigem Amt und langjähriger Chefreiseleiter dieser Region beim weltgrößtem Touristikkonzern teile ich viele Punkte Ihrer Einschätzung der künftigen Entwicklung. Ich möchte aber ergänzend dazu zwei Betrachtungen hinzufügen, die Sie bislang nicht berücksichtigten. Innenpolitisch besteht, naturgemäß in einer Militärjunta, eine sehr starke hierarchische Struktur im Kabinett auf PM Prayuth bezogen. Dabei wird kulturbedingt, anders als in einer europäischen Streitkultur, der "Gesichtswahrung" bei den Kabinettsmitgliedern untereinander ein sehr hoher Stellenwert zugeordnet. Jedes Kabinettsmitglied profiliert sich in seinem Ministerium ganz den Aufgaben und Interessen seines Sachgebietes, greift aber keinesfalls in die Kompetenz und somit auch einer möglichen konstruktiven Unterstützung des anderen Sachgebietes ein. Gut zu erkennen an den zahlreichen Ideen der TAT, die aber ohne jegliche Vorabstimmung mit dem Pandemieausschuss, dem Gesundheits- und/oder Transportministerium medienwirksam proklamiert werden, um sich mit "Tatendrang" zu rühmen. Ein jedes Kabinettsmitglied aber zugleich schon weiß, das der Vorschlag von vornherein ohne Chance steht und dann "gesichtswahrend" ohne Kritik vom PM abgewiesen wird, weil andere Kabinettsmitglieder ebenso medienwirksam und profilierend ein Veto einlagen. Während in einer Demokratie hier das Parlament schlussendlich durch Beantragung, Debatte und Abstimmung die Regierung kontrollieren und einwirken kann, fehlt dieses naturgemäß in einer Militärjunta. Vergleiche zum politischen System mit der Türkei oder Russland liegen mir hier sehr nahe, was dann mehr in Richtung Autokratie durch PM Prajuth zielt. Thailand hat gemessen an Südostasien den stärksten Tourismusfaktor mit rund 20% am BIP. Natürlich sind damit die Folgen der Abschottung in diesem Land ganz besonders schlimm, auch wenn die jüngsten Zahlen ein erstaunlich hohes Reiseaufkommen durch die einheimische Bevölkerung belegen (das hätte ich in dieser Größenordnung nicht vermutet). Sicher ist dies auch auf Subventionszuwendungen des Kabinett an den heimischen Reisemarkt zurück zu führen. So wird also das Kabinett nach dem Motto von "duck and cover" Entscheidungen weitestgehend hinauszögern und Schuldzuweisung an "die Ausländer (die das Virus einbringen)" verbreiten, siehe die Hinweise auf die eigene Infektionsrate in der Bevölkerung, während immer nur Ausländer neue Fälle hereintragen. Angesichts der explodierenden Fallzahlen an Neuinfektionen, zügellosen unmaskierten Massendemos (wie Berlin), etc. trifft sie damit bei der Bevölkerung auf sehr unterstützende Mehrheiten. Wir dürfen auch nicht vergessen, das Bildung in Thailand einer sehr niedrigen Zahl von Einwohnern vorbehalten ist und die Obrigkeitshörigkeit bei den Thais zu einer wesentlichen Kultur gehört. Die "geringen" Teilnehmerzahlen der jüngsten Demos und die Tatsache, das es fast ausschließlich bildungstragende Studenten waren, sprechen dafür. Ein weitere wichtiger und bislang von Ihnen unberücksichtigter Aspekt ist die Außenpolitik in der ASEAN-Gruppe. Nach SARS-CoV 2002 folgte H5N1 in 2004 und Schweinegrippe 2009 erleben die ASEAN-Staaten nun die dritte Pandemie mit -wenn auch weitaus massiverem- Lockdown in der Region. Schon früh haben daher die ASEAN-Staaten sich zur einzig möglichen und virologisch nach Lehrbuch praktizierten "Null-Toleranz-Politik" entschieden. Anders als in Europa das "Flatten-the-curve" Prinzip ein Toleranzwert gemessen an den Möglichkeiten des Gesundheitssystem zulässt, ist das öffentliche Gesundheitssystem in ASEAN weitaus niedriger und somit ohne Toleranzmöglichkeit. In erstaunlichem Einklang ziehen hier alle ASEAN-Länder gemeinsam an einem Strang und schotten sich hermetisch ab (wie auch Australien / Neuseeland und Japan). Wer will jetzt der erste sein, der aus der Reihe fällt? Und noch viel schlimmer: Was werden die anderen ASEAN-Staaten für einen Spott aufziehen wenn bei dem "ersten Ausscherer" die Zahlen wieder hochschnellen? Dieser Gesichtsverlust ist das Schlimmste was einem ASEAN-Mitglied nur passieren kann, dann lieber die paar Minuswerte mehr im BIP ertragen. Ja, es rächt sich jetzt ganz gewaltig, das Thailand jahrelang sich zu sehr vom Tourismus abhängig machte, statt die eigene Wirtschaft innovativ (und vor allem gebildet!) voran zu bringen. Daher ja auch der "Kurswechsel" hin zu hochpreisigem Tourismus und weg von den Billigmassen. So hält Thailand damit auch die rote Laterne mit Minus 14% am BIP, während die anderen ASEAN-Länder vorne liegen, allen voran Vietnam (sogar mit leichtem Plus!!) und Malaysia.